
Der Krieg in der Ukraine dauert inzwischen so lange, dass viele Kinder sich kaum noch an ein Leben ohne Luftalarm, Stromausfälle und ständige Unsicherheit erinnern können. Für Millionen von ihnen bedeutet jeder Tag eine Mischung aus Angst, Enge und Unvorhersehbarkeit. Schulen sind zerstört oder geschlossen, Familien wurden vertrieben, Freundschaften auseinandergerissen.
Pädagog*innen berichten, dass viele Kinder unter Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und ständiger Anspannung leiden – typische Folgen eines Lebens im Ausnahmezustand.
Doch mitten in dieser Realität entstehen kleine Inseln der Stabilität. Eine davon ist das Umweltbildungsprojekt, das der NABU gemeinsam mit seinem langjährigen Partner IERS in den ukrainischen
Karpaten durchführt. Es wirkt auf den ersten Blick fast widersprüchlich: Während über dem Land Raketen einschlagen, lernen Kinder etwas über Vögel, Wälder und die Wunder der Natur. Doch genau
darin liegt die Kraft des Projekts.
„Indem wir Kinder einbeziehen, zeigen wir ihnen, dass das Leben schön ist, dass die Welt voller Wunder ist – und dass die Vögel eines dieser Wunder sind“, sagt der Ornithologe und IERS Trainer
Leonid Pokrytyuk. Seine Worte wirken wie ein Gegenentwurf zur Kriegslogik. In den Workshops, die oft in Schutzräumen oder improvisierten Klassenzimmern stattfinden, lauschen Kinder Vogelstimmen,
beobachten Greifvögel oder basteln Nistkästen. Vielen Kindern hilft dies, sich auf etwas anderes konzentrieren zu können als auf Gefahr und Verlust.
Sichere Räume und Natur erfahren
Bei Exkursionen im Wald und bei Wanderungen wird die Natur zu einem sicheren Raum – einem Ort, der nicht zerstört wurde, der keine Fronten kennt und der Kindern erlaubt, wieder neugierig zu sein. Die Beschäftigung mit Vögeln, Pflanzen und Ökosystemen ist mehr als Unterricht: Sie schafft Momente der Ruhe, stärkt Selbstwirksamkeit und gibt den Kindern das Gefühl, dass es trotz allem Zukunft gibt. Gerade im Krieg ist das ein unschätzbarer Wert.
Gleichzeitig vermittelt das Projekt Wissen über Umweltschutz und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen – Themen, die für den Wiederaufbau des Landes zentral sein werden. Denn der Krieg zerstört
nicht nur Städte, sondern auch Wälder, Moore und Lebensräume. Indem Kinder lernen, wie man Natur schützt, werden sie zu Botschafter*innen einer Zukunft, die über den Krieg hinausweist.
Ausblick
Ein kleines Fazit vom Team des IERS und und des NABU: Die Kinder reagieren offen, neugierig und dankbar. Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder nach den Workshops ruhiger schlafen oder wieder
Fragen stellen – ein kleines, aber wichtiges Zeichen von Normalität.
So wird Umweltbildung zu etwas, das weit über Wissen hinausgeht. Die Erlebnisse in der Natur, die gemeinsamen Erlebnisse und Aktivitäten ermöglichen Momente, in denen diese Kinder einfach wieder Kinder sein können.
Das Projekt "Umweltbildung in der Ukraine" ist auf Spenden angewiesen. Um das Projekt und die teils schwer traumatisierten Kinder dort zu unterstützen, veranstalten wir am 28. März 2026 ab 17 Uhr eine spannende, musikalisch-naturkundliche Benefizveranstaltung. Zum Programm
In Workshops für die Umweltbildung wird mithilfe kreativer Ausdrucksmöglichkeiten versucht, den (teils traumatisierten) Kindern ein Stückweit aus ihrem Gefühl der
Hilflosigkeit heraushelfen.
Diese Kunstwerke erzählen vielfach von einem Leben zwischen Natur, Trauma und Hoffnung. Siehe
Bildergalerie
Ivan (siehe Bild) arbeitet als Projektkoordinator seit 2018 mit Kindern in Umweltbildungsprojekten des NABU in den ukrainischen und rumänischen
Karpaten.
Schon kurz nach Beginn des Kriegs entwickelte er die Idee, ein helfendes Programm für Kinder zu entwickeln. Mehr lesen
Ein Aufenthalt in der Natur kann für Kinder ein Rettungsanker sein – besonders in einem Land wie der Ukraine, in dem Krieg und Unsicherheit den Alltag bestimmen. „Umweltbildung in der Ukraine“ der NABU International Stiftung zeigt eindrucksvoll, wie sehr Naturerlebnisse Kindern helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Mehr lesen
Die Mechanismen, die in der Ukraine helfen, wirken jedoch nicht nur in Krisengebieten. Die Natur ist eine der stärksten Gesundheitsressourcen, die wir Menschen besitzen. Und somit profitieren überall auf der Welt Kinder und Erwachsene von Naturerfahrungen. Sie reduzieren Stress, fördern emotionale Stabilität und stärken die psychische Gesundheit. Mehr lesen
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