Ortenberger Biberwanderung

NABU-Ortenberg
NABU-Ortenberg

Da staunten die Organisatoren vom NABU Ortenberg und der Umweltwerkstatt Wetterau nicht schlecht: Etwa 120 Menschen, davon auch viele Kinder, waren am Sonntagvormittag zur erstmals in Ortenberg organisierten Biberwanderung gekommen. „Eigentlich zu viele Leute für die Führung“ sagten Frank Uwe Pfuhl  und Horst Veith, die als Fachleute die Veranstaltung leiteten. Auch Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring, die mit Ihren Kindern teilnahm, war überwältigt von der großartigen Aktion, die der NABU hier organisiert hatte.

 

Auch das berühmte „Bibermobil“ (untergebracht in einem Kastenwagen) war gekommen. Dieses Fahrzeug wurde vom NABU Wetterau speziell hergerichtet für Aktionen rund um das Thema Biber. Es ist ausgerüstet mit verschiedenem Lern- und Anschauungsmaterial und kann direkt an Gewässern, Schulen, Kindergärten etc. eingesetzt werden. Das Bibermobil wurde bereits mehrfach hoch ausgezeichnet: Die UNESCO verlieh dem besonderen Bildungskonzept die Auszeichnung „UN-Weltdekadeprojekt zur Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Zusätzlich erhielten die Initiatoren dann als erstes deutsches Projekt die Auszeichnung „UN-Dekadeprojekt Biologische Vielfalt“ aus den Händen des Bundesumweltministers.

 

Treffpunkt war die Nidderbrücke zwischen REWE und PENNY. Schon vor der eigentlichen Wanderung entlang die Nidder wurde am Bibermobil viel Interessantes und Wissenswertes über den Biber erzählt, auch Infobroschüren lagen bereit. Ein lebensgroßer ausgestopfter Biber war zu sehen weiterhin ein Biberfell, Schädelknochen und Gebiss, Nagehölzer usw..Der Biber war über 200 Jahre lang ausgestorben in Hessen. Er wurde früher als Schädling angesehen und gnadenlos bejagt. Horst Veith erklärte zudem eine merkwürdige Sichtweise der katholischen Kirche in früheren Jahrhunderten: In der Fastenzeit durfte kein Fleisch gegessen werden, Fisch dagegen sehr wohl. Kurzerhand erklärte man daher den Biber wegen seines schuppigen Schwanzes zum Fisch, somit durfte er auch in der Fastenzeit von den Gläubigen gejagt und gegessen werden. Auch dies hat damals maßgeblich zur Ausrottung der Biber beigetragen.

 

Frank Uwe Pfuhl erklärte die Fressgewohnheiten des Bibers. Dieser große, bis ca. 30kg schwere größte Nager Europas, ernährt sich ausschließlich vegetarisch, also stellt er zum Beispiel keinerlei  Konkurrenz zu Anglern dar. Seine Nahrung in Frühjahr, Sommer und Herbst besteht hauptsächlich aus Kräutern und Wasserpflanzen, gerne auch mal Äpfel oder Getreide, falls diese nah am Gewässer zu finden sind. Im Winter dagegen herrscht Nahrungsknappheit, hier lebt er unter anderem von Baumrinde, insbesondere Weiden liebt er wegen des weichen Holzes. Jetzt im Winter sind diese Fressgewohnheiten natürlich deutlich für aufmerksame Spaziergänger am Gewässern erkennbar. Auch fällt er gelegentlich Bäume, um an die schmackhaften Baumkronen zu kommen. Hier findet er je nach Größe des Baumes zarte junge Triebe, die ihn für mehrere Wochen oder gar Monate ernähren können.

 

Auf der etwa 90-minütigen Wanderung entlang der Nidder konnte dann jedermann an mehreren Stellen diese Fraßspuren an den Gehölzen am Bach erkennen. Auch frische Pfotenspuren konnten an einer Stelle im Schlamm entdeckt werden, typisch für den Biber sind die Schwimmhäute zwischen den Zehen. An mehreren Stellen wurden Reste seiner Mahlzeiten entdeckt, diese bestehen aus fein säuberlich abgenagten Zweigen und Ästen. Nur das zähe Kernholz bleibt zurück, die nahrhafte Rinde wird vollständig abgenagt.

 

„Wo lebt der Biber nun und warum zeigt er sich jetzt nicht?“ wollte die kleine Hanna wissen. Horst Veith erklärte, dass der Biber Gänge in die Uferböschung gräbt, die man allerdings von außen nicht erkennen kann. Er taucht immer unter Wasser in seine Höhle ein, diese gräbt er dann aufwärts bis zu einer Höhe über dem Wasserspiegel, wo er dann tagsüber ruht. Der Biber ist nachtaktiv, daher bekommt man ihn in der Regel am Tage auch nicht zu Gesicht. Dieser Regel blieb er am Sonntag auch treu und wurde leider nicht gesehen.

 

Auch Marie Luises Fragen nach der Biberburg und dem Biberdamm mussten natürlich beantwortet werden: Eine Biberburg baut der scheue Burgherr nur dann, wenn nicht ausreichend Höhe für seine  Wohnhöhle gegeben ist. Wenn keine ausreichend hohen Böschungen am Gewässer vorhanden sind, ist der Biber gezwungen, zu seinem Schutz Zweige und Äste über der Wohnhöhle anzutürmen, quasi eine „Biberburg“. Einen Biberdamm suchten alle Wanderer am Sonntag allerdings auch vergebens an diesem Bachabschnitt. Frank Uwe Pfuhl berichtete, dass der Biber eine Gewässertiefe von 50-60cm benötigt, um sicher vor Feinden abtauchen zu können. Da die Nidder hier tief genug ist, benötigt er im Moment zumindest keinen Damm, der das Wasser aufstauen würde. Im Sommer bei Niedrigwasser könnte es eher für den Biber nötig werden, einen Damm zu errichten, man muss abwarten, es ist aber hier eher unwahrscheinlich.

„Wie viele Biber leben denn nun hier?“, wollte ein Herr wissen. Die anwesenden Fachleute antworteten, dass aktuell wahrscheinlich erst mal nur ein einziges Tier hier angekommen ist, das möglicherweise noch auf einen Partner wartet. Doch das ist zurzeit nicht sicher zu beantworten und muss abgewartet und beobachtet werden.

 

Abschließend wiesen Horst Veith und Frank Uwe Pfuhl darauf hin, dass der Biber in Hessen streng geschützt ist und nicht bejagt werden darf. Der Biber sollte toleriert werden, er ist seit jeher hier zu Hause gewesen und ist nun seit so langer Zeit endlich wieder zurückgekehrt. Die Schäden an den Bäumen, insbesondere Weiden, seien zu verschmerzen, da die Weiden im kommenden Jahr in der Regel sofort wieder junge Stockausschläge erzeugten. Der Biber trägt so in hohem Maße zur Verjüngung der Vegetation bei.

Machen sie uns stark

Aktuelle beiträge

UNSERE Förderer

OVAG Energie
Sparkasse Oberhessen

folgen sie uns auf...